Was sind Kabardiner, Karachaever, Karachaier, Anglo-K., Kabardiner Polukrovni, usw.?


Im Kaukasus gibt es eine Fülle von Pferderassen, darunter auch die Kabardiner, die wiederum in einigen Varianten - auch in der Namensgebung vorkommen. In der Folge werde ich die wichtigsten vorkommenden Namen, Rassen und Typen ein wenig erläutern.

Kabardiner
Kabardiner existieren unter diesem Namen bereits seit dem 17.Jahrhundert und sind eigentlich eine Umbenennung des tscherkessischen Pferdes, das mindestens in das 11.Jahrhundert zurückgeht und damit eine der ältesten Pferderassen darstellt.
In der Rasse selbst gibt es 3 verschiedene Haupt-Typen mit zahlreichen Zwischen- und Unterklassen. Je nach Einsatzgebiet den schwereren, den mittleren und den leichten Typus. Der schwere Kabardiner wird entsprechend zur Feldarbeit eingesetzt, der leichte nur zum Reiten, als Weg und Saumpferd und für den Kampf. Der mittlere Typ ist für beides geeignet, nicht so speziell wie die beiden anderen, aber eben universell. Dies ist heute die vorherrschende Rasse im Kaukasus und auch in Russland eine der Top3-zahlenstärksten Rassen.

Karachaier
Die Züchter aus den dem Gestüt Karachai und der umgebenden Region der heutigen Republik "Karachai-Tscherkessien" nennen ihre Pferde Karachaier. Die Bezeichnung taucht zuerst zu Beginn des 20.Jahrhunderts auf und wurde auf Pferde die offiziell in der UdSSR als Kabardiner dieser Region gezüchtet wurden angewendet. Dabei wurden diese Pferde aber immer als Untergruppe der Kabardiner Pferde bezeichnet.
Auch heute ist die Rasse in Russland laut staatlichem Stutbuch (VNIIK) keine offizielle Pferderasse, sondern es handelt sich offiziell um Kabardiner. 
Die Züchter der "Karachaier" züchten aber mit leicht unterschiedlichen Zuchtzielen und dokumentieren diese Ergebnisse in einem eigenen halb-offiziellen Stutbuch "Karachaier"
Hauptgrund für die Trennung sind aber völkische Interessen (es gibt auch die Völker Kabardiner (tscherkessisch stämmig) und Karachaier (balkarisch stämmig)). 

Diese Entwicklung ist zumindest teilweise verständlich und auch historisch kontrovers zu behandeln, aber vor Allem ist die Entwicklung zu bedauern, da der Genpool einer Rasse so künstlich getrennt wird.

In der Kabardinerzucht können weiterhin Kabardiner mit Karachaier Abstammung eingesetzt und wie bei allen Gestüten wird als Zuchtort eben das Gestüt Karachai vermerkt, so dass die Bezeichnung nicht verloren geht. 

Im Karachaier-Stutbuch, werden offiziell keine Kabardiner eingesetzt, es findet also eine strickte Abgrenzung aufgrund der volksstämmigen Zugehörigkeit statt.

Hier zeigt sich wie schwer die Situation im Kaukasus mit den vielen dort vorhandenen Völkern und Stämmen ist und was für eigenartige Probleme sich daraus ergeben.

Die Kontroverse schadet vor Allem den Pferden. Argumente gibt es zahlreiche, wie z.B. weitere Gestüte und Regionen (Georgien, Dagestan, Krim, Inguschetien ...) in denen Kabardiner benennen die Kabardiner auch als Kabardiner Pferde. 

Man kann nur hoffen, dass sich die Vernunft über Reviergrenzen hinwegsetzt und im Interesse der Pferde die Gruppen doch gemeinsam gehalten werden, was auch aus wirtschaftlicher Sicht sicherlich sinnvoller ist, da dann alle gemeinsam eine Rasse publizieren können.

Ob am Schluß zwei Rassen stehen die kooperieren, eine Rasse unter der alles gebündelt wird und wie diese am Schluß heißt ist eigentlich nicht so wesentlich wenn es um den ernsthaften Erhalt der Rasse geht. 

Karachaever
Bei Übersetzungen Karachai in der Vergangenheit häufig als Karachaev oder Karatschaev übersetzt. Sprachwissenschaftler sind sich jedoch einig, daß die korrekte Übersetzung und somit auch ggf. der Name der Pferde Karachaier lauten muss.

Anglo-Kabardiner
Anglo-K. entstehen durch Kreuzung von Kabardinern mit Vollblut-Pferden.Bereits seit 1900 wird bei den Kabardinern Vollblut eingesetzt, um die Pferderasse zu veredeln. So fließt heute in nahezu allen Kabardiner "Vollblut" in geringen Anteilen, was der Rasse durchaus gut getan hat - wobei auch Bilder aus 1870 und 1890 bereits edle Kabardiner im Reitpferdetyp zeigen - vermutlich noch ohne Vollblutanteil.
Ab einem Vollblutanteil von über 12,5% (früher ab 25%) man aber von einem Anglo-Kabardiner. Häufig unterscheiden sich Kabardiner und Anglo-Kabardiner nicht sehr stark, erst wenn der Vollblutanteil deutlich über 25% steigt, setzt sich dann das Vollblutpferd stärker sichtbar und spürbar durch. Anglo-Kabardiner mit einem Vollblutanteil von 50% und höher werden vor allem für die Rennbahn gezüchtet, da sie die Geschwindigkeit der Vollblüter mit der Kondition der Kabardiner ideal vereinen und auf Rennen von 3 bis 5km exzellente Ergebnisse erzielen. Aber auch im Distanzsport, in der Vielseitigkeit und in der Freizeit erobern sie die Herzen ihrer Besitzer mit ihre Kombination aus Vollblut und Kabardiner.

Kabardiner Polukrovni
Polukrovni ist der russiche Begriff für Halbblut. Unter dieser Rassebezeichnung laufen also alle Kabardiner die über eindeutige Fremdblutanteile z.B. Araber, Achal-Tekkiner oder Traber verfügen. Auch die Anglo-Kabardiner finden sich in älteren Stutbüchern teils noch unter diesem Begriff und sind dort noch keine eigene Sektion.

Karabaier, Karabaghen, etc.
Dies sind ganz einfach andere Pferderassen aus dem Kaukasus, die aber zum Großteil heute nur noch in sehr kleinen Anzahlen oder stark verfremdet vorkommen.

Karabiner
Karabiner sind eine sehr praktische Erfindung, um Dinge miteinander zu Verbinden, aber KEINE Pferderasse (auch wenn dies ab und an auf Veranstaltungen mit Kabardinern behauptet wird ;-) )

Schlussbemerkung
Der Kabardiner wird auch ab und an als Vollblut bezeichnet, was aber so nicht korrekt ist. Vollblut ist eigentlich eine Rassebezeichnung und im wesentlichen bei englischen oder arabischen Pferde gebräuchlich.
Die wörtliche Übersetzungen des englischen Begriffes Thoroughbred" bedeutet "intensiv durchgezüchtet", was nun beim Kabardiner zum Teil schon wieder passen würde, da er bereits sehr lange gezüchtet wird - allerdings eben nicht mit solchen Reinheitskriterien wie englisches oder arabisches Vollblut (beim Kabardiner wurden auch immer wieder zur Blutauffrischung exzellente Pferde anderer Rassen gezielt eingesetzt um die Rasse zu verbessern).

Heute verbindet man mit "Vollblut" häufig auch eine Art von Charakter und Typus. Unter diesem Gesichtspunkt kann man die Kabardiner durchaus als "hochblütig" im positiven Sinne bezeichnen.

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