Kabardiner - Rassetypen und Abgrenzungen

Was sind Kabardiner, Karachaever, Karachaier, Anglo-K., Kabardiner Polukrovni, usw.?

Im Kaukasus gibt es neben den vorherrschenden Kabardinern eine Fülle weiterer Pferderassen, die wiederum in einigen Varianten - auch in der Namensgebung vorkommen. In der Folge werden die wichtigsten vorkommenden Namen, Rassen und Typen erläutert.

Kabardiner

Kabardiner existieren unter diesem Namen bereits seit mindestens dem 17.Jahrhundert, als Pferd des tscherkessischen Volkes auf die auch die Bezeichnung Kabardiner zurückgeht findet es aber bereits im 12. Jahrhundert Erwähnung und bereits in dieser Zeit existieren zahlreiche Brandzeichen die auch teils heute noch im Einsatz sind.

In der Rasse selbst gibt es wiederum diverse Typen, die vielfach durch die Dörfer und die herrschenden Fürsten geprägt wurden. Bis zu 20 Typen gab es bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts, danach wurde die Varianz durch sowjetische Zuchtmethodik reduziert um dem Einsatz als Arbeitspferd gerecht zu werden. Hier waren nicht mehr soviel Varianz gewünscht, sondern es sollte schwere Kabardiner für die Feldarbeit und vor den Wagen geben. Daneben gab es Bedarf für schnelle und leichte Pferde für den Einsatz für Kurierdienste oder schnelle und wendige Truppen im Militär, wie auch für für ein gutes Reitpferd für den gros des Militärs, aber auch für die Hirten im Gebirge oder als Saumpferd. Heute entwickeln sich daraus die drei Typen klassisch, sportlich und elegant, die wohl auch die zukünftige Entwicklung des Pferdes bestimmen werden. 

Anglo-Kabardiner 

Anglo-Kabardiner entstehen durch Kreuzung von Kabardinern mit englischen Vollblut-Pferden. 

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Kabardiner mit englischem Vollblut veredelt um die Reitpferde-Eigenschaften des Kabardiners zu verbessern. Ziel war hier die gesamte Rasse mit 5-10% zu veredeln. All diese Pferde galten aber weiterhin als Kabardiner. So fließt heute in nahezu allen Kabardinern ein Schuß "englischen Vollblutes", was der Rasse durchaus gut getan hat. Etwa um 1960 herum wurde dann ein Zuchtkonzept zur Schaffung des Anglo-Kabardiners aufgelegt mit dem Ziel einen Kabardiner für die Rennbahn, speziell Strecken mit 3-5km zu züchten. Dazu wurde ein Anteil englischen Vollblutes von 25-75% für diese neue Rasse angestrebt. Pferde mit weniger als 25% Vollblut wurden weiterhin als Kabardiner bezeichnet. Dies war dann auch die Geburt des Begriffes und der Rasse "Anglo-Kabardiner".

Die Unterschiede zeigen sich sowohl im Ex-, als auch im Interieur. Im Exterieur sind Anglo-Kabardiner oft etwas rahmiger und größer und somit tendenziell besser für Springen oder Vielseitigkeit geeignet, mit vielleicht geringen Verlusten bei Wendigeit und Flexibilität im Gelände. Das Interieur passt sich bereits bei 25% englischem Vollblut selbigem an. Hier entscheidet vor Allem der individuelle Geschmack, welcher Typ nun dem persönlich gewünschten mehr zusagt. 

Im Distanzsport konnten sowohl Kabardiner als auch Anglo-Kabardiner ihre Qualitäten zeigen, welche Rasse schlussendlich in diesem Vergleich leicht die Nase vorne hat ist eigentlich nicht relevant, solange beide sich über die sonstige Konkurrenz erheben. Aktuell sind hier zumindest keine klaren Vorteile für den einen oder anderen Typen auszumachen.

Kabardiner Polukrovni

Polukrovni ist der russiche Begriff für Halbblut. Unter dieser Rassebezeichnung laufen in frühen Stutbüchern also alle Kabardiner die über eindeutige Fremdblutanteile, d.h. neben dem Anglo-Kabardinern auch z.B. mit Araber, Achal-Tekkiner oder Traber verfügen. Die Anglo-Kabardiner dominieren im Laufe der Zeit diesen Abschnitt des Stutbuches aber, der dann schließlich zur "Sektion Anglo-Kabardiner" umbenannt wurde. 

Karachaier oder Karatschaier

Dieser Begriff wird vom Volk der Karachaier für die Kabardiner verwendet, die in der Region "Karachai-Tscherkessien" vorkommen. Es handelt sich also um eine regionale Umbennung des Kabardiners auf völikschen Gründen. Dies soll hier nicht umfangreich bewertet werden und ist eine Aufgabe die in Russland gelöst werden muss und nicht in Europa. Züchterisch ist das aber durchaus zu bedauern, da der Genpool einer Rasse so künstlich getrennt wird und durch Reibungseffekte Energien verbraucht werden, die der Rasse an anderer Stelle nützlich wären. In der Kabardinerzucht werden auf alle Fälle auch weiterhin Kabardiner mit Karachaier Abstammung eingesetzt und wie bei allen Gestüten wird als Zuchtort eben die Region vermerkt aus der das entsprechende Pferd stammt (so dass die Bezeichnung nicht verloren geht).

Die offizielle Stutbuchführung durch das allrussische Stutbuch kennt außer dem Kabardiner Pferd keine weitere derartige Rasse. Und auch alle anderen Regionen des Verbreitugnsgebietes kennen nur das Kabardiner Pferd. So sind auch in Europa nur Dokumente der Rasse Kabardiner akzeptiert und gültig. 

Man kann nur hoffen, dass sich die Vernunft über Reviergrenzen hinwegsetzt und im Interesse der Pferde sich das Problem hoffentlich bald erledigen wird. Dies wäre auch aus wirtschaftlicher Sicht erheblich sinnvoller (für alle beteiligten Parteien), da dann alle gemeinsam eine Rasse publizieren, züchten, promoten und verbreiten könnten.

Karachaever oder Karatschaever

Bei Übersetzungen wurden Names des Volkes der Karachaier in der Vergangenheit häufig als Karachaever oder Karatschaever übersetzt. Sprachwissenschaftlich der korrekter Terminus und somit der Name des Volkes ist aber "Karachaier".

Karabaier, Karabaghen, etc.

Dies sind ganz einfach andere Pferderassen, mehr Infos dazu finden sich unter www.karabagh.de

Karabiner

Karabiner sind eine sehr praktische Erfindung, um Dinge stabil miteinander zu Verbinden, aber KEINE Pferderasse (auch wenn dies ab und an auf Veranstaltungen mit Kabardinern behauptet wird ;-) )

Schlussbemerkung

Der Kabardiner wird auch ab und an als Vollblut bezeichnet, was aber so nicht korrekt ist. Vollblut ist eigentlich eine Rassebezeichnung und steht für englische oder arabische Pferde. Die wörtliche Übersetzungen des englischen Terminus für das englische Vollblut: "Thoroughbred" bedeutet dann auch "intensiv durchgezüchtet". Dies passt zwar beim Kabardiner schon teilweise, da er bereits sehr lange gezüchtet wird - allerdings z.B. eben nicht mit den Reinheitskriterien wie englisch oder arabisch Vollblut.

Die heutige Verwendung kommt im Allgemeinen daher dass man eine bestimmte Art von langer Züchtung, Charakter und Typus bezeichnen will. Dies führt jedeoch oft zu unsinniger Verwirrung und sollte daher vermieden werden.

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